Montag, 23. September 2024

Rezension| Markus Thielemann - Von Norden rollt ein Donner

 


Markus Thielemann - Von Norden rollt ein Donner, erschienen am 06. September 2024 im Verlag C. H. Beck, Hardcover, 287 Seiten 

Am 17. September wurde die Shortlist des Deutschen Buchpreises veröffentlicht und ich kann mich einfach nur freuen. Denn dieser Roman gehört zu der Shortlist und ich gratuliere dem Autor Markus Thielemann wirklich von Herzen. Dieser Roman hat es redlich verdient und ich drücke ihm beide Daumen, dass es den Buchpreis gewinnt.

Worum es in diesem Buch geht?


Jannes ist, genau wie seine Eltern und sein Großvater, Schäfer in der Lüneburger Heide. Der Wolf kehrt wieder zurück und als die ersten Risse geschehen, macht es das Leben auf dem Land und in der Heide schwieriger. Die Bewohner sind ängstlich und besorgt wegen dem Umgang mit dem zurück gekehrten Raubtier. Neue Nachbarn, die ihre vermeintliche Hilfe anbieten, aber eher mit völkischen Symbolen und versteckten Parolen glänzen, machen es für Jannes und seine Familie nicht einfacher. Ihre Umgebung wird empfänglicher für Selbstjustiz. Als Jannes eines Tages ein unheimliche Begegnung erscheint, stellt er sich die Frage, was dieses zu bedeuten hat. Wer versucht ihm etwas zu sagen? Eine dunkle Vergangenheit rollt wie ein Donner wieder auf und zeigt, dass eine Bilderbuch-Heimat nicht immer das ist was sie scheint.

Dieses Buch hat mich schon vor Erscheinen interessiert, da es in meiner Heimat "spielt". Was ist nicht erwartet habe, war einen romantischen, schnulzigen Heimatroman. Den habe ich auch nicht bekommen. Auch wenn ich zeitweise mich wirklich heimisch gefühlt habe, denn es wurden einige Orte "bereist", die ich kenne oder wo ich wohne. Jedenfalls habe ich einen intensiven Roman erwartet. Und diesen habe ich bekommen! 

Von Norden rollt ein Donner ist ein beeindruckendes und sprachlich eindringliches Werk, dass mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Genau wie Jannes wandern wir mit seinen Gedanken durch die Einsamkeit der Lüneburger Heide. Er lässt uns teilhaben an seinen Fragen, ob seine Zukunft weiterhin so aussehen soll. Was könnte die Zukunft noch für ihn bereithalten? Oder soll er der Familientradition weiterhin folgen? Und was ist mit der Vergangenheit? Was ist dieser unheimliche Schatten, der ihn auf seinen Wanderungen verfolgt? Was hat er mit seiner Familie zu tun?

Auch in der Lüneburger Heide gab es (Arbeits-) Lager für Juden und Staatsfeinden. Das Heimatidyll in diesem Gebiet ist nicht unfehlbar und das zeigt dieser Roman. Die heile Welt, die existiert hier nicht. Die sagenumwobene Heidelandschaft verspricht viel Schönes. Sie verbergt aber auch viel Schreckliches. Diesen Zwiespalt, den inneren Zwist von Jannes und der schweigende Umgang mit der dunklen Vergangenheit, stellt der Autor mit seiner einnehmenden Erzählweise sehr gut dar.

Von Norden rollt ein Donner ist für mich ein Highlight in diesem Jahr und vor allem in diesem Herbst. Das zeigt die Sprachgewalt und die fesselnde Erzählweise genauso wie die Thematik. Die Verknüpfung von alten Familientraditionen, mystischen Visionen und die Auseinandersetzung mit der düsteren Vergangenheit ist Markus Thielemann wunderbar gelungen. Daher gibt es von mir eine aus tiefsten Herzen kommende Leseempfehlung! 

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